Die Nacht der Unpässlichkeiten

Illustre Gesellschaft im Innern des Hausbootes
Illustre Gesellschaft im Innern des Hausbootes

Ein aufregender und geschäftiger Tag lag hinter mir, nun stand für den Abend also noch die Geburtstagsparty auf einem gemieteten Hausboot an. Als ich mit Teresa dort ankam, war die Party bereits in vollem Gange. Da ich in den Stunden zuvor wegen mangelnder Gelegenheiten kaum etwas zu mir genommen hatte, schlug ich mir erst einmal mit spanischer Pizza, leckerem Fruchtsalat, Schokoladenkuchen und allerlei anderen Köstlichkeiten den Bauch voll. Wenig später ließ ich mich dazu überreden, trotz leichter Erkältung einen Saunagang zu wagen, der in einem Flusswasserbad zur Abkühlung endete. Mir ging es gut und die Runde war sehr heiter und ausgelassen; ich war froh, diesen Tag so gemütlich ausklingen lassen zu können. Einige wenige Schlucke vom guten estnischen Vodka sollten dies besiegeln. Doch kurz darauf war es vorbei mit der ausgelassenen Stimmung, denn ich bekam auf einmal heftige Magenkrämpfe und mir wurde sehr, sehr schlecht. Ich hatte nicht das Gefühl, dass das vom Alkohol herrührte, weil man die Schlucke tatsächlich an einer Hand abzählen konnte und mir auch nicht schwindelig oder schwummerig war. Ich hatte eher den Eindruck, dass irgendetwas in meinem Körper wütete, das da nicht hingehörte. Der Versuch, in der oberen Etage des Hausbootes erholsamen Schlaf zu finden, scheiterte an der massiven Ofenhitze, die dort herrschte. Irgendwann in der Nacht wachte ich deshalb auf und ich spürte, dass mein Magen erneut rebellieren würde. Also machte ich mich auf den Weg nach unten ins rettende Bad, mehr wankend als gehend, weil mein Kreislauf drohte zu kollabieren. Im winzigen Bad wollte ich dann nicht länger bleiben, weil es mir nicht der geeignete Ort erschien, um die nahende Ohnmacht abzuwenden. Ich wollte nur noch liegen und ausruhen und steuerte deshalb auf eine Stuhlgruppe zu, um nicht auf dem nackten Boden liegen zu müssen. Da ich aber schon längst die Kontrolle über meine Bewegungen verloren hatte, konnte dieses unrühmliche Missgeschick passieren, das mir letztlich die Narbe am Kinn einbrachte. Ich fiel ungebremst in die Stuhlgruppe hinein, schlug dabei mit dem Kinn zuerst auf und landete schließlich doch auf dem Boden. Leider hatte niemand etwas von meinem Ausflug mitbekommen. Nachdem mein Kreislauf aber wieder stabil und mein Magen vollkommen leer war, gelang es mir, von oben Hilfe zu holen und mir ein Lager auf Stühlen im kühleren unteren Raum aufzubauen. Mein Kiefer schmerzte zwar enorm von dem Aufprall, doch ich konnte nun endlich etwas Ruhe finden.

Am nächsten Tag grummelte der Bauch noch immer leicht vor sich hin, doch ich ließ es mir nicht nehmen, mit ein paar anderen in gemächlichem Tempo die weiße Winterpracht in der näheren Umgebung zu bestaunen. Noch am selben Abend, wieder zurück in Tallinn, beschloss ich, sicherheitshalber ins Krankenhaus zu gehen und die Wunde begutachten zu lassen. Man weiß ja nicht, welche Keime man sich da bei so einem Aufprall zugezogen hat und ob der Kiefer jetzt für immer so weh tut. Zum Glück hatte sich meine Mentorin bereit erkärt, mir durch den Ärztedschungel zu helfen und ich bin ihr unendlich dankbar dafür, dass sie bei mir war. Die Wunde wurde gereinigt, musste aber nicht genäht werden und der Kiefer war nur geprellt, nicht verrenkt. In einer Woche würde ich ihn also wieder ganz normal öffnen und schließen können. Ich vermute, dass an diesem Wochenende letztlich doch alles ein bisschen zu viel des Guten war; die viele, lange Arbeit, der wenige Schlaf, der Flüssigkeitsmangel, der Bauch zu voll für einen Saunagang und dann auch noch die paar Tropfen Alkohol. Das konnte bei meinem sowieso schon lädierten Körper nicht gutgehen. Anfang März steht wieder eine Geburtstagsparty einer Freiwilligen an. Dazu wird wieder ein Haus angemietet und ich habe mir fest vorgenommen, das mit der Sauna erstmal bleiben zu lassen, kontinuierlich Wasser zu trinken und regelmäßig zu essen. Mal schauen, ob es dieses Mal was wird.

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