Me sõidame Pärnusse

Ausflug nach Pärnu
Ausflug nach Pärnu

Lasst uns nach Pärnu fahren! So lautete Teresas Vorschlag eines schönen Wintertages Ende Januar. Da für das Wochenende nichts anderes geplant war, machten wir uns zusammen mit Anà kurzerhand per Bus auf den Weg Richtung Südwesten, um der drittgrößten Stadt Estlands einen Besuch abzustatten (wobei drittgrößte hier etwas mehr als 40.000 Einwohner bedeutet). Pärnu wird auch als Sommerhauptstadt des Landes bezeichnet und ist für seine ausgedehnten Badestrände bekannt, die wohl jeden Sommer von Menschenmassen überrannt werden, da jeder Este, Russe und sonstige Tourist genau hier seinen geölten Körper in die Sonne legen und ins Wasser springen möchte. Im frostigen Winter wagte sich jedoch kaum jemand auf die Straße, sodass wir ganz gemütlich durch die Gassen schlendern und die Schönheit und Vollkommenheit der Stadt in Ruhe genießen konnten. Der wunderschöne Altstadtkern ist unglaublich winzig, eigentlich besteht er nur aus einer einzigen langgezogenen Straße, von der aus einige kurze Querstraßen abgehen. Doch streift man durch die umliegenden Bezirke, findet man weitere faszinierende, gut erhaltene Häuser aus den unterschiedlichsten Epochen wie etwa die Jugendstilvillen oder die für Estland typischen Holzbauten. An jenem Tag lag eine herrlich im Winterlicht funkelnde Eisschicht auf Bäumen, Sträuchern und Dächern und verlieh der gesamten Stadt etwas Magisches und Entrücktes. Als wir zum Strand gelangten, kamen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus: das Meer war kilometerweit zugefroren, überall sah man nur die unendlich weiße Weite, und auf der Oberfläche des Eises hatten sich seltsam anmutende, fragile Formen aus Schnee und Eis gebildet, die mit jedem Schritt sofort unter unseren Stiefeln zerbarsten. Lief man ein ganzes Stück weit hinaus auf's Meer, wurde man den Eindruck nicht los, sich in einer Eiswüste irgendwo ganz weit im Norden oder Süden der Welt zu befinden, aber ganz sicher nicht in Estland. Wir waren so sehr vom Wunder des Winters fasziniert, dass wir stundenlang der Kälte trotzten und erst nach Einbruch der Dunkelheit mit glühenden Wangen den Heimweg antraten.

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