Der Neujahrsball

Selbstgebastelter Wandschmuck in unserem Tageszentrum
Selbstgebastelter Wandschmuck in unserem Tageszentrum

Springen wir kurz in die Gegenwart, bevor die Geschichten des alten Jahres zu Ende erzählt werden. Am zweiten Januarwochenende wurde in unserem Tages- und Sozialzentrum zum festlichen Neujahrsball geladen, welcher ausschließlich für unsere Mädchen ab 12 Jahren ausgerichtet werden sollte. Für gewöhnlich kommen zu uns Kinder und Jugendliche von 6 bis 18 Jahren und das Programm ist sowohl für Mädchen als auch für Jungs gedacht. Warum an dieser Veranstaltung keine gleichaltrigen Jungen teilnehmen durften, habe ich nicht herausbekommen; vielleicht hätte es nicht ins Konzept gepasst, vielleicht wollten die größeren Mädels mal einen Tag nur für sich haben, vielleicht hatte auch jemand die Befürchtung, dass die Jungs nur Unruhe stiften könnten. Was sich auch für ein Grund dahinter verbergen mag, ich hätte es schön gefunden, wenn auch sie die Gelegenheit bekommen hätten, sich für einen Tag ganz außerordentlich herauszuputzen. Warum sollen sie nicht genauso viel Freude daran haben, sich zu verkleiden und in andere Rollen zu schlüpfen? Da ich jedoch nicht für diesen Ball verantwortlich zeichnete, sondern eine Studentin der Jugendarbeit, die zurzeit ihr Praktikum bei uns absolviert, hatte ich keinen Einfluss auf diese Entscheidung. Krissi und ich halfen vor Beginn des Festes dabei, das Tageszentrum auszuschmücken und es in einen kleinen Ballsaal zu verwandeln (gegen die wenig dekorativen Kachelfliesen an den Wänden konnten aber auch wir nur begrenzt etwas ausrichten). Währenddessen waren die Mädchen eifrig dabei, sich wie kleine Prinzessinnen herzurichten. Um ihre Privatsphäre zu schützen, kann ich generell keine Porträts der Kinder auf dieser Seite veröffentlichen, ich kann aber sagen, dass sie mich wirklich in großes Staunen versetzt haben, so bezaubernd sahen sie in ihren leuchtend bunten Kleidern aus. Vielleicht ein bisschen zu erwachsen mit all dem vielen Make-Up im Gesicht, aber es sind eben Teenager, die mögen es gerne... nun ja... ausdrucksstark. Auch die Haare waren zum Teil sehr raffiniert geflochten oder hochgesteckt und mit Bändern versehen; ihre diesbezügliche Geschicklichkeit und Kreativität hat mich ehrlich fasziniert. Mir gelang eine solch schöne Frisur leider nicht, weil meine Haare einfach zu kurz dafür sind. Was hätte ich in diesem Moment für eine Wallemähne gegeben... Aber sei's drum, dafür war mein geborgtes Kleid eine Wucht. Dieser wunderbar fließende, seidene Stoff auf meiner Haut, das schimmernde, an eine Meerjungfrau erinnernde Blau, die kunstvollen Blumenverzierungen an der Corsage und dieser herrliche Faltenwurf des Rockes haben es mir sehr angetan. Für gewöhnlich trage ich solche Kleidung nicht, nicht einmal zu Anlässen, die man als festlich bezeichnen würde, weil ich sie für zu übertrieben und unangemessen halte. Nun aber, im Schutze des Neujahrballs-Spiels, kann ich eine gewisse mädchenhafte Freude am Tragen dieses Kleides nicht ganz von mir weisen :) Den Rest des Tages hatten Krissi und ich nicht mehr viel zu tun, außer Tee zu schlürfen, Früchte aus einem Schokoladenbrunnen zu fischen und nebenbei zu verfolgen, wie die Mädchen in kleinen Spielen um die Gunst des Prinzen buhlten, der von einem unserer Jungen verkörpert wurde, der sich irgendwie unter das Ballvolk gemogelt hatte. Prächtig getanzt wurde selbstverständlich auch. Dieser wahrlich glamouröse Tag fand schließlich in einem spektakulären Feuerwerk auf dem Hof seinen krönenden Abschluss. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann tanzen und jubeln sie noch heute :)

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