Heimatgefühle in der Fremde

Die Freiwilligen erobern Tartu
Die Freiwilligen erobern Tartu

Nach zwei Monaten intensiver Erkundung Tallinns und der näheren Umgebung war es an der Zeit, die Hauptstadt für eine Weile zu verlassen und das dahinterliegende Land näher zu erforschen. Da ich vor einiger Zeit zahlreiche andere Freiwillige kennengelernt hatte (dazu in einem späteren Blogeintrag mehr), die überall verstreut in Estland leben, wollte ich diese Kontakte nutzen, um übers Wochenende herumzureisen. Also ging es vor zwei Wochen mit Teresa, einer jungen deutschen Freiwilligen, die ebenfalls in Tallinn lebt und arbeitet, auf nach Tartu. Dort wurden wir sehr herzlich von zwei Mitfreiwilligen aus Österreich und Frankreich aufgenommen, die sich viel Zeit für uns nahmen und uns in alle schönen Ecken Tartus führten. Die Tage waren zwar sehr verregnet und grau, was man den untenstehenden Bildern leider auch etwas ansieht, aber das hat uns nicht die gute Laune verdorben. Und wenn man die leckersten Törtchen der Welt zum wohlschmeckendsten Kaffee der Welt verspeisen kann, einem englisch-estnischen Comedyprogramm lauscht, bei dem man allerdings nur die Hälfte versteht und sich anschließend durch alle möglichen estnischen Biersorten probiert, kann man doch nichts anderes als glücklich sein :) Tartu ist DIE Studentenstadt schlechthin. Mit all den vielen kleinen, gemütlichen Cafés, Clubs und Bars an jeder Ecke verströmt sie ihren ganz eigenen - mir so wohlbekannten - Charme. Sie ist definitiv nicht so touristisch geprägt wie Tallinn, deutlich ruhiger und gelassener und obwohl sie mit knapp über 100.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes ist, kann man alle Sehenswürdigkeiten in wenigen Stunden selbst im Schlurftempo besichtigen und schafft es dann sogar noch, ein paar wirklich tolle Museen zu besuchen (von estnischer Kunst, Spielzeugen und den ehemaligen Zellen des KGB ist wirklich alles dabei). In ihrem Wesen hat sie mich sehr an meine ewige Heimatstadt Greifswald erinnert, was aber auch wenig verwunderlich ist, da beide Universitäts- UND Hansestädte sind und durch beide ein gemächlicher Fluss fließt (der in Tartu allerdings etwas größer ausfällt). Ich muss zugeben, als ich auf dem gepflasterten Marktplatz stand und mir all die farbenfrohen Häuserfassaden drumherum besah, erfassten mich starke Heimatgefühle... die Ähnlichkeit ist für mich wirklich frappierend! Und dieses Gefühl setzte sich weiter fort, als ich die Domruine auf dem Domberg zu sehen bekam. Natürlich ist diese Ruine weitaus umfangreicher erhalten als unsere gute alte Klosterruine, aber die erhaltenen Säulen und Bögen sahen doch ziemlich genauso aus wie bei unserer Ruine. Wenn mich nicht alles täuscht, kann es gut und gern daran liegen, dass auch die Domruine einst im Stil der Backsteingotik erbaut wurde - und was verschafft einem Ostseemädchen in der Fremde ein größeres Heimatgefühl als dieser herrlich norddeutsche Backstein?

 

Ich habe den Aufenthalt auf jeden Fall sehr genossen und werde kommendes Wochenende auch schon wieder dorthin zurückkehren, um den Geburtstag der Österreicherin mit vielen anderen Freiwilligen zu feiern. So macht das Freiwilligen-Leben Spaß!

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Kommentare: 1
  • #1

    Krissi (Mittwoch, 06 November 2013 20:23)

    Nun bin ich auf Gegenbesuch mal bei dir auf dem Blog :). Nett hier. Freue mich schon auf den Bericht von deinem Seminar.