Durch Wald und Wiesen

Šnelli tiik - mittlerweile eines meiner Lieblingsorte zum Spazierengehen mit Blick auf den Domberg
Šnelli tiik - mittlerweile eines meiner Lieblingsorte zum Spazierengehen mit Blick auf den Domberg

Wahnsinn, wie die Zeit vergeht! Über einen Monat bin ich nun schon in der Ferne und mir kommt es fast so vor, als würde ich hier schon ewig leben, so normal sind viele Sachen inzwischen geworden und eine gewisse Routine hat sich nun auch schon eingestellt. Eigentlich sollte mein zweiter Blogeintrag von genau diesem Dienstalltag handeln, da ich aber schon zweimal dazu angesetzt habe und zweimal immer wieder inhaltlich abgeschweift bin, weil es sooooooo viel zu erzählen gibt, habe ich mich dazu entschieden, dieses Thema erstmal zurückzustellen und euch stattdessen die mich umgebende Natur vorzustellen, denn davon gibt es in Estland reichlich. Um die Ruhe des Waldes zu genießen, muss man hier gar nicht so weit wegfahren. Es genügt, sich in einen Trolli zu setzen (ein sehr klappriger Oberleitungsbus - und mit klapprig meine ich wirklich nahe am Auseinanderfallen) und ein paar Stationen hinaus zu fahren. Ehe man es sich versieht, ist man auch schon quasi in der Wildnis.

Im Wald von Pirita
Im Wald von Pirita

Nachdem ich meine freie Zeit in den letzten Wochen vorrangig damit verbracht habe, die Altstadt zu erkunden, in den umliegenden Parks herumzuschlendern und gemütliche Cafés ausfindig zu machen, in die ich mich verkrümeln kann, wenn es mich nach einem richtig guten Kaffee oder einer meeegaleckeren kuum šokolaad gelüstet, habe ich am vergangenen Wochenende die Mauern der Altstadt hinter mich gelassen, um neues Land zu entdecken. Zudem brauchte mein angeschlagenes Atemwegssystem mal wieder so richtig frische Luft. Also führte mich mein Weg per Trolli nach Pirita, einem im Nordosten gelegenen Vorort von Tallinn. Nach nur 10 Minuten Fahrt war ich auch schon im wunderschön leuchtenden Herbstwald. Was für eine Wohltat, die Sonne wieder auf meiner Haut zu spüren! Uns wurde gleich zu Beginn des Freiwilligendienstes geraten, jeden Sonnenstrahl zu genießen, den wir kriegen können, da es in den kommenden Monaten nicht mehr allzu viele davon geben wird. Die sagenumwobene Dunkelheit im höheren Norden ist also leider kein Gerücht, sondern die eiskalte Wahrheit. Dann wird die Sonne erst gegen 10 Uhr aufgehen und bereits um 15 Uhr wieder verschwunden sein. Selbst den Esten, die es nicht anders kennen, graut es davor, so hatte man zumindest den Eindruck, als sie von der winterlichen Dunkelheit sprachen. Und auch die Kälte wird eine ganz besondere Erfahrung darstellen; -30° Celsius sind nicht unüblich in den Wintermonaten, aber zum Glück wohl kein Dauerzustand. Ich hab mich bereits mit Wollsachen eingedeckt und das Zwiebelprinzip nahezu perfektioniert, von mir aus kann die Kälte kommen! Na, hauptsache es liegt dann Schnee, damit man einen Grund hat, draußen herumzutollen :) Skilanglauf soll eine weit verbreitete Sportart in diesen Gefilden sein, darauf hätte ich schon große Lust!

Am Ufer des Flusses Pirita
Am Ufer des Flusses Pirita

In den letzten Tagen wurde es ganz schön frisch, nur 6° zwangen uns dazu, unseren Kleidervorrat voll und ganz auszuschöpfen und Jacke über Jacke zu streifen. Aber an besagtem Wochenende zeigte sich der Herbst von seiner goldig-gnädigen Seite und schenkte uns Sonne pur und angenehme 12° (da konnte man auf jeden Fall schon mal wieder die Fleecejacke im Schrank lassen). Entlang ging es am Ufer des pirita jõgi und zu den Ruinen des pirita klooster (falls es Estnisch-Kundige unter den Lesern gibt, bitte nicht auf die Deklinationen achten, sie sind alle ziemlich falsch, bestimmt muss es pirita kloostris oder so heißen, weil wir ja zu den Ruinen gehen, aber sei's drum. Bald soll unser estnisch-englische Sprachkurs losgehen und danach bemühe ich mich um solche Feinheiten; solange begnüge ich mich mit den jeweiligen Nominativ-Grundformen der Wörter). Leider gab es an diesem Tag keinen spektakulären Sonnenuntergang, wie wir ihn schon oft bestaunen konnten. Dafür zeigte sich der Himmel am nächsten Tag in herrlich rosa-roter Pracht, als ich mit Krissi und zwei deutschen Freiwilligen unterwegs war. Die Himmelsaufnahmen stammen vom Strand unweit des Peeteli-Sozialzentrums. Man hat von dort einen tollen Blick auf das Meer (genauer gesagt auf den Finnischen Meerbusen) - für mich als Küstenkind eine Wonne!

Die Mädelsgang vom Wochenende
Die Mädelsgang vom Wochenende

Ich freue mich riesig drauf, mich immer mehr auf das Land und die Kultur einzulassen und Möglichkeiten zu finden, mein Leben hier zu gestalten, damit ich mich vollends wohlfühle. Dazu gehört, sich mit den anderen Freiwilligen in der näheren Umgebung zu vernetzen und durch gemeinsame Unternehmungen den Kontakt zu stärken, damit man zukünftig nicht mehr nur allein oder zu zweit durch die Straßen streift. Zum anderen möchte ich mir auch ein Hobby zulegen, ich durchdenke gerade einige Optionen, mal schauen, welche sich davon umsetzen lassen.

 

Fühlt euch lieb von mir gegrüßt und bis bald! Eure Eva.

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